Donnerstag, 29. Oktober 2009

Bilder Oktober


Das Foro Social - super viele Aktionen, hier ein kleiner Einblick!


Alta Voz - Laute Stimme
habe leider nur Fotos von meinem zweiten Tag. der Metal Samstag hätte bessere Fotos hergegeben - sry =(


El Penol....... ich muss nicht mehr schreiben oder?!

Mein Oktober in Medellin

ES TUT MIR LEID!!! Nachdem ich um die zwanzigtausend ( …mindestens!!!!) Beschwerde-Mails bekommen habe, weil ich mich jetzt fast einen Monat nicht gemeldet habe, habe ich mir ein Herz gefasst und die Zeit, um etwas zu schreiben, damit meine Leserschaft in Deutschland wieder happy ist. Man muss seine Fans ja gut behandeln…also meine Freunde/Fans, hier ist mein Oktober:

Das ich bisher nichts geschrieben habe lag nicht daran, dass ich nicht wusste worüber, weil nichts passiert ist…OH NEIN!! Das kann man so jetzt nicht unbedingt sagen. Es ist so viel passiert, dass ich einfach keine Zeit hatte etwas zu schreiben und wenn ich sie hatte, bin ich nur noch tot ins Bett gefallen, denn der Oktober war der bisher ereignisreichste und anstrengendste Monat hier – und bei weitem auch der Beste!! Da aber so viel passiert ist und ihr heute sicher noch andere Sachen vorhabt, lasse ich einiges aus, ich muss ja auch noch was zu erzählen haben, wenn ich wieder komme.

1. Foro Social
Das größte Ereignis in diesem Monat war das „Foro Sozial“, eine groß angelegte Aktion mit Konzerten, Informationsveranstaltungen, Spielen und einem großen Protestmarsch. An dieser Aktion beteiligten sich viele sozial Organisationen Medellins um gegen die Privatisierung des Wassers zu Demonstrieren. Das RED war einer der Hauptorganisatoren und dementsprechend nahm ich an fast jeder Aktion teil.

Bei der ersten Aktion des Foros sind wir mit einem Bus in verschiedene Barrios (Stadtteile) gefahren und haben die Menschen dort über das Foro aufgeklärt und für die verschiedenen Aktionen der kommenden Woche Werbung gemacht. Es war sehr interessant für mich, da ich an diesem Tag viele Barrios kennen gelernt habe, die ich vorher noch nicht kannte und da es die Barrios mit den größten sozialen Problemen waren, habe ich auch Armut gesehen, die ich so vorher noch nicht gesehen hatte.

Eine andere Aktion fand im Peñol statt. Der Peñol ist ein Gebiet in Antioquia, drei Stunden von Medellin entfernt. Dort fand eine große Informationsaktion mit mehr als 1500 Teilnehmern statt. Ich hatte die Aufgabe mich um die Kinder dieser 1500 Teilnehmer zu kümmern. Nichts leichter als das! Zusammen mit Sandra trommelten wir also alle Kinder zusammen um mit ihnen Spiele zu spielen. Plötzlich sagte Sandra zu mir, sie müsse mal kurz weg und ging. Ich war allein mit ungefähr 40 Kindern. Aber die Zeit in der ich alleine auf mich gestellt war, konnte ich super mit dem Thema „Was wollt ihr für Wörter auf Deutsch wissen“ füllen. Nach einiger Zeit wollten meine Schützlinge aber nur noch Schimpfwörter übersetzt haben, wogegen ich mich aber, zur Enttäuschung der Kinder, weigerte. Später am Tag habe ich mich dann mit einer kleinen Gruppe von der Aktion weggeschlichen und wir sind angeln gegangen. Angeln ist eigentlich überhaupt nicht mein Sport, aber die Landschaft im Peñol ist einfach atemberaubend und ich habe meine Kamera zum glühen gebracht, so viele Fotos habe ich geschossen. Ich wurde auch von einem der Fischer in seinem kleinen Boot (oder auch Nussschale) mitgenommen. Es war wunderschön.

Weitere Aktionen des Foros waren zum Beispiel Proteste vor Kliniken mit einer kleinen Theateraufführung, für ein neues Gehalt. Denn mit dem Saldo (Gehalt) den es hier gibt lässt sich kaum die Miete, das Wasser, das Licht und das Essen bezahlen, geschweige denn eine gute ärztliche Versorgung. An einem anderen Tag sind wir in zwei Barrios gefahren und haben dort mit Jugendlichen Spiele gespielt und sie so über Militarismus, Gewalt, die Aufgabe von Jugendorganisationen und die Situation der Frau aufgeklärt. Ich habe einfach als normaler Teilnehmer teilgenommen und habe so sehr viel über die Probleme Kolumbiens gelernt. An diesem Tag wurde mir sehr deutlich wie Unterschiedlich Kolumbien und Deutschland doch sind. Besonders die Situation der Frau ist hier noch sehr traditionell und die Emanzipation bei weitem nicht so verbreitet wie in Deutschland. Die Aktion endete dann in einem Konzert mit Punk, SKA und Hip Hop.

Am letzten Tag des Foros fand ein großer Protestmarsch statt, der durch sehr arme Barrios ging. Probleme mit der Polizei gab es nicht, auch wenn mich die Chefin vom RED mich nicht von ihrer Seite weichen lassen wollte, falls was passierte. Auch Flyer sollte ich nur verteilen, wenn ich sicher war, dass es kein Polizist sehen würde, damit ich immer noch sagen konnte, dass ich nur Tourist sei und mit der Aktion an sich nichts zu tun hätte. Es war mein erster großer Protestmarsch und ich war beeindruckt von den vielen Menschen die mitmachten, doch viele REDler sagten mir, dass sie viel mehr Menschen erwartet hätten.

2. Alta Voz

Alta Voz ist ein großes Musik-Festival in Medellin, wofür die Menschen aus dem ganzen Land angereist kamen. Samstags stand Metal und Punk auf dem Programm, eigentlich nicht so meine Musik, aber ich bin trotzdem hingegangen, wollt mal sehen, was die Kolumbianer unter einem „großen“ Festival verstehen. Als ich und Alex (der Freund meiner Mitbewohnerin und jetzt auch ein Freund von mir) um 11Uhr morgens ankamen, sah ich die längste Menschenschlange meines Lebens. Wirklich, dagegen ist jede Warteschlange im Fantasia-Land in dem Ferien, bei super Wetter und vor der neuen, super geilen Attraktion eine flüchtige Erholungspause. Ohne zu übertreiben (dieses Mal tu ichs wirklich nicht), schlängelte sich diese Wurst aus Menschenmassen ca 800m die ganze Hauptstraße entlang. Wer sich da hinten anstellte konnte sich schon auf ALTA VOZ 2010 freuen, denn vorher kam er nicht rein. Alex und ich waren intelligenter und stellten uns „aktiv“ 5m vor der Kasse an, indem wir einfach so taten als würden wir Leute in der Schlange kennen und nach 5 Minuten waren wir drin….das haben ich an diesem Tag insgesamt drei Mal gemacht, weil ich immer wieder kurz raus bin um mich mit wem zu treffen oder um mir ein „normales“ Getränk zukaufen. Am Eingang wurde man dann drei Mal abgetastet, die Taschen wurden durchsucht (auch drei Mal) und ein Hund hat einen nach Drogen abgeschnüffelt.

Das Konzert war wirklich gut und die Stimmung klasse…auch die Sonne ließ es sich nicht nehmen am Konzert teil zu nehmen und die Wasserverkäufer machten das Geschäft ihres Lebens mit den 20.000 dehydrierenden Metal-Fans.
Die Bands kamen aus der ganzen Welt. Lustiger Weise war der Headliner eine Metal-Band aus Deutschland: „Kreator“ – ich weiß nicht wies euch geht, aber ich kannte die nicht. Während einer kleinen Umbaupause auf der Bühne, tippte mich auf einmal jemand von hinten an: „Ähm Entschuldigung, kann ich ein Foto mit dir machen?“ (das natürlich auf Spanisch) …………..HALLO???!!! Wer bin ich?? Johnny Depp? Vin Diesel(vom Körper, vieeelleicht)? Zack Braff oder Jessica Alba?? – zuerst war ich etwas sprachlos, aber dann hab ich den Mädchen gerne erlaubt ihr Foto mit mir, dem schönen Mono (die Bezeichnung hier für Menschen mit blonden Haaren und blauen Augen) zu machen. Das ist mir bisher schon drei Mal passiert…ich weiß nicht recht ob mir das gefallen soll oder ob ich mich wie ein Tier im Zoo fühlen soll….ach was sollst: MIR GEFÄLLTS!

Vor Selbstbewusstsein strotzend stürzte ich mich also in die Pogo, die wirklich klasse und rieeesen groß war und etwas heftiger als das was ich aus Deutschland gewohnt war. Und dann beim letzten Lied vom gesamten Konzert (um 00.00Uhr – ich war also 13 Stunden auf dem Konzert und dem entsprechend KO), bekam ich in der Pogo einen Ellenbogen voll ins Gesicht geknallte und ich sah Sternchen. Zwei Tage später war meine Nase komplett blau und hatte einen kleinen Hubel (nein, es gibt davon keine Fotos!!!) – die Farbe meiner Nase ist wieder normal, aber der Hubel ist noch da. „Eine Erinnerung an Kolumbien“ – wie Alex sagte.


3. FREIZEIT

Im Oktober hatte ich mein erstes kleines Tief, in dem ich etwas schlecht drauf war. Das lang vor allem an mangelnden Aktivitäten in der Freizeit. Es ist schwer und echt komisch, wenn man sich komplett aus seinem Freundeskreis rausreißt und plötzlich, weit weg von allem was man kennt, ohne wirkliche Freunde dasteht. Also kam es vor, dass ich Samstagsabends alleine zu Hause saß und einen Film geguckt habe – das ist echt deprimierend, da es das komplette Kontrastprogramm ist, was ich aus Deutschland gewohnt bin. So konnte das nicht weitergehen!!! Also bin ich auf: Freunde suchen….aber nicht im Internet, bei Facebook oder so, nein ich war einfach kackendreist und habe sämtliche Leute angerufen, die ich kannte. Ich musste dafür zwar etwas meinen Stolz überwinden, aber so hatte ich jeden Abend etwas zu tun, denn irgendjemand hatte immer Zeit. Jetzt hat es sich langsam so entwickelt, dass ich wieder meinen alten, geliebten Freizeitstress habe und viele Einladungen absagen muss, da ich schon was anderes vor habe. Mit diesen Freizeitaktivitäten fühle ich mich hier mehr zu Hause, da es für mich sehr wichtig ist, Freunde zu haben und ich mir so langsam aber sicher einen guten Freundeskreis aufbaue und mein Spanisch wird schneller besser, weil ich 24Stunden von spanisch sprechenden Menschen umgeben bin. Ich lebe hier langsam aber sicher!

4. Prof. Sascha
Ich will übrigens, dass mich ab jetzt alle mit „Herr Klein“ ansprechen und aufstehen wenn ich den Raum betrete. Nein, ich bin kein Richter, sondern ich bin jetzt Lehrer. Ich unterrichte Englisch und Deutsch für ein paar Interessierte im RED. Wusstet ihr, dass Deutsch die unlogischste Grammatik EVA hat? Und das soll ich jetzt Kolumbianern beibringen – auf Spanisch. Gute Nacht Marie!! Aber mit dieser Aufgabe fühle ich mich um einiges besser, denn bisher konnte ich mich zwar gelegentlich hilfreich in der Arbeit vom RED einbringen, aber mir war immer klar, dass die auch gut ohne mich klar kämen. Aber jetzt habe ich eine Aufgabe, die nur ich erledigen kann und kein anderer vom RED, und das ist ein sehr gutes Gefühl. Deswegen nehme ich das sehr ernst und bereite mich auf jede Stunde vor.

5. Meine heutiger Tag
Heute hatte ich eine 9Stunden Besprechung im RED, bei der wir wieder über die Formulierungen in dem Dokument gesprochen und diskutiert haben, wie sich das RED definiert und welche Rechte und Pflichten die Einzelnen Gruppen im RED haben. Ich konnte mich überhaupt nicht beteiligen und nach sechs Stunden schaltete mein Gehirn langsam aber sicher ab und meine Gedanken schweiften immer schneller und unkontrollierbar weit weg – und morgen das Selbe noch mal! Nach dieser Tortur bin ich mit Anna ein Bier trinken gegangen. Anna ist eine Freiwillige aus Belgien, die zum zweiten Mal beim RED ist. Anna ist 30 Jahre alt, spricht Spanisch, Italienisch, Französisch, Englisch und die wichtigste Sprache von allen: Holländisch – auf diese Sprachenkenntnisse bin ich ehrlich gesagt ziemlich neidisch! Jetzt sitze ich in meinem Bett und bin total K.O. und freu mich, dass ich jetzt schlafen gehen kann, denn das wars! Fertig! Listo!
Ich muss zugeben, dass ich viel gekürzt habe und noch mehr ausgelassen habe, aber ich denke dieser Artikel war lang und informativ genug. Ich hoffe, dass der nächste Artikel dieses mal nicht so lange auf sich warten lässt...

Alles in allem kann man sagen, dass diese ersten drei Monate (1/4 meiner Zeit hier..wau wie schnell das geht!) die ereignisreichsten und interessantesten Monate in meinem bisherigen Leben waren und dass es mir hier in Kolumbien gut geht, und was will man denn mehr?

Ach ja: Ihr könnt auch gerne Kommentare abgeben, damit ich weiß ob überhaupt irgendjemand das hier alles ließt….

Mittwoch, 30. September 2009

Fotos


Meine Freunde, DAS ist mein Blick aus meinem Fenster...SABBERT bitte!


So sehen die Hamburger hier aus....also McDonald vermisse ich hier nicht!


1.Gruppenstunde


Protest gegen die Klinik


Protest für die Klinik....

Gruppenstunde, Unterschiede und noch ein Umzug!

Hallo ihr lieben und treuen Leser,

ich hoffe ihr gewöhnt euch langsam an die Tatsache, dass bei euch der Sommer vorbei ist. Ich sitzt hier übrigens im T-Shirt, kurzer Hose und spiele mit dem Gedanken gleich kalt duschen zu gehen.

Bevor ich mit meinem Artikel richtig loslege, eine kleine Anmerkung: Mein „D“ von meiner Tastatur ist kaputt und hängt halb raus. In Deutschland kein Problem, da ich noch Garantie auf meinen Laptop habe, aber hier habe ich leider noch keinen Mediamarkt gesehen…mal schaun was ich da machen werde. Also bitte nicht wundern, wenn in manchen Worten das „D“ fehlt.

Ich fange jetzt hier langsam aber sicher an zu „arbeiten“ und werde immer mehr in die Aufgaben mit einbezogen (auch wenn es sich immer noch sehr in Grenzen hält). Zum Beispiel, hatte ich meine erste Gruppenstunde. Eigentlich würde ich von mir behaupten, dass ich ganz gute Erfahrungen in Gruppenstunden habe, da ich ca. zwei Jahren in Walheim eine Kindergruppe geleitet habe. Aber hier ist das alles etwas anders. In Deutschland waren die Gruppenstunden hauptsächlich zum Spaß und zum Zeitvertreib gedacht, doch hier beschäftigt sich man in den Gruppenstunden, mit Militarismus, schweren sozialen Problemen wie Gewalt oder Armut – ein etwas anderes Niveau auf dem hier gespielt wird. In Deutschland waren meine Gruppenkinder im zarten Alter von 10-12 Jahren, was zwar auch nicht gerade einfach, da sich bei ihnen die Pubertät langsam aber sicher bemerkbar machte, aber man hatte immer noch eine gewisse Autorität durch sein Alter. Meine „Gruppenkinder“ sind zwischen 18 und 20 Jahren alt, also teilweise älter als ich – relativ suboptimal! Naja aber eine Autorität kann ich im Moment eh noch nicht sein, da ich Gruppenstunden über soziale Probleme oder Militarismus mit meinem Spanisch noch lange nicht alleine leiten kann. Also bin ich im Moment einfach nur Teilnehmer und darf diese wirklich guten und interessanten Stunden miterleben.

Die Menschen hier sind wirklich anders als in Deutschland, oft auf eine positive Weise, aber gelegentlich wünsche ich mir die deutschen Standards schon zurück: Es ist Sonntag 7:00Uhr, ich liege in meinem Bett und schlafe. Da ertönt ein lauter Knall. Ich schrecke auf. Noch ein Knall…wieder…wieder…und wieder. Was ist das? Das Geräusch ist undefinierbar und ich habe das so noch nie gehört. Also stehe ich auf, schaue aus dem Fenster und was ich da sehe, lässt mich an meiner Sehfähigkeit zweifeln. Da steht ein Mann vor meiner Haustür und schlägt mit einer Spitzhacke auf einen großen Busreifen ein, um die Felge rauszubekommen…HALLO?? An sich schon eine ziemlich dumme Aktion, aber das dann auch noch sonntags morgens. In Deutschland wäre der Mann sofort von sämtlichen Nachbarn erschossen worden und die Polizei hätte es als Notwehr eingestuft.

Auch gewisse Dinge haben hier einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Zum Beispiel die Autohupe: in meiner lieben, alten etwas spießigen Heimat, wird die höchstens in Momenten größer Gefahr oder unbezähmbarer Wut eingesetzt und dann kann es sein, dass man ein Bußgeld zahlen muss. Hier aber ist dieses Wunder der Technik ein Multifunktionsmittel: Man hupt wenn man jemanden grüßen will, man hupt wenn man auf eine Kreuzung zu fährt, damit man auch bloß nicht bremsen muss. Die Fahrer hupen wenn sie im Stau stehen, aber nicht um ihre Wut raus zu lassen, sondern weil sie ja gerade nichts anderes zu tun haben. Wenn man an einer Ampel wartet und es wird grün, fangen direkt alle an zu hupen, weil der Fahrer vor einem, hat das grüne Licht sicher nicht gesehen. Ich glaube sogar, dass der, der vorne als erster vor der Ampel wartet, auch hupt – einfach aus Prinzip.

Auch das Einkaufsverhalten ist anders. Ich war gestern mit Sandra einkaufen und da hat sich Sandra einen Jogurt aus dem Regal genommen, ihn geöffnet und gegessen. Sofort kam ein Angestellter herangeeilt und reichte ihr einen Löffel – das ist Service! In Deutschland wäre wahrscheinlich das GSG9 angerückt und hätte sie verhaftet. Auch an der Kasse erlebte ich eine Überraschung. Während sich die Kassiererinnen im Lidl oder Aldi verhalten als hätten sie einen epileptischen Anfall und die Waren unkontrolliert und in Lichtgeschwindigkeit über den Scanner werfen, ließ sich die Frau hinter der kolumbainischen Kasse schön viel Zeit und machte nach jedem Produkt eine kleine Verschnaufpause. In der Zeit, in der gestern unser Einkauf abkassiert wurde, wäre die Kassiererin in Deutschland schon 5 Mal von ihrem Chef, der sie die ganze Zeit hinter dem Einwegspiegel beobachtet, gefeuert worden.

Noch eine Neuigkeit: ICH BIN WIEDER UMGEZOGEN - zwei Stockwerke höher. Sandra zeigte mir die Wohnung und ich gab mein „OK“ für den Umzug, da ich nun ein größeres Zimmer mit Blick über die ganze Stadt habe (siehe Foto). Ich fragte, wann wir denn umziehen würden. Die Antwort lautete "Ahora."...dazu muss ich erst was erklären: "Ahora" ist das unlogischste Wort im Spanischen: es bedeutet "jetzt" aber es kann auch "später" bedeuten...HALLO?!?! Das ist doch total BALLA BALLA!! Naja aber ich dachte in diesem Fall wäre die Übersetzung klar und wir würden erst die nächsten Tage umziehen, da fängt Sandra an wie wild ihre Sachen zu packen und hoch zu schleppen - eine Frau der Tat!

Naja, als wir dann alles in der anderen Wohnung hatte (nach ca. 1 ½ Tagen), waren Sandra und ich bei den Nachbarn um KURZ etwas zu holen, da - BOOMMM - ist die Tür von unserer Wohnung ins Schloss gefallen.
Anziehsachen, Handy, Geld, Papiere, Laptop, Deo, Essen und vor allem die Schlüssen in der Wohnung. DUMME SACHE!! Wir hatten ein kleines Problem: ich trug eine Schwimmhose und mein Schlaf-T-Shrit und Sandra war auch noch im Pyjama...und wir kamen nicht an unsere Anziehsachen, oder an sonst irgendwas.
In solchen Situationen beweisen sich dann gute Nachbarn: als klar wurde, dass der Schlüsseldienst erst am Nachmittag kommen würde, bekamen wir eine Dusche und Anziehsachen....ich bekam zum Beispiel ein knalliges rotes Poloshirt (genau meine Farbe...passt wunderbar zu meinen Haaren und meinen roten Bäckchen) und eine "etwas" zu weite Hose. Zu allem Überfluss hatte ich am Nachmittag Tanzunterricht (der wird hier im RED angeboten) und eine runterrutschende Hose hat beim tanzen bisher selten geholfen ^^ so eine Schei… nein, böses Wort… Mierda – das versteht keiner =P

So jetzt noch ein paar andere Erlebnisse meiner letzten zwei Wochen im „NewsFlash“, sonst wirds wieder zu lang:

NEWSFLASH (...ich war wirklich zu lange dem schlechten deutschen Fernsehprogramm ausgeliefert – hier habe ich keinen Fernseher, was mich, zu meiner Überraschung, überhaupt nicht stört):

1. Killerwochenende: An dem ich eine 9 Stunden Reunìon (Besprechung/Treffen) im RED hatte, bei dem es um die Formulierungen in einem Dokument ging, wie sich das RED definiert. An sich eine wichtige Sache, aber für mich viel zu schwer und dementsprechend langweilig (aber ich habe die Zeit genutzt und mir das erste Mal in meinem Leben die Finger maniküren lassen – für 1.50€) Danach bin ich zu einer Geburtstagsparty, die bis 6Uhr morgens ging. Am nächsten Tag hatte ich denn ab 13Uhr meine erste Gruppenstunde die bis 20Uhr ging – ICH WAR HALB TOT!!! Ach was red ich: ICH WAR TOT!

2. Protestaktion vor einer Klinik für Frauen. Das interessante war, dass auf der einen Straßen Seite die Menschen standen, die die Klinik und alle ihre ketzerischen, eingewiesenen Frauen am liebsten wie eine Hexe verbrannt hätten (an dieser Stelle muss ich einräumen, dass ich maßlos übertreibe!!!). Und auf der anderen Seite, die Menschen (die interessanter und (meiner Meinung nach) trauriger Weise Zahlenmäßig weit unterlegen waren), die Abtreibung nicht für eine Todsünde halten und die den Frauen, die Vergewaltigt worden oder gegen ihren Willen schwanger sind, eine Chance bieten wollen, ihr Leben so zu leben wie sie es für richtig halten (tut mir leid, dass ich an dieser Stelle etwas subjektiv schreibe).

3. Vor ca. 5Min habe ich jemanden kennen gelernt, der die Bandmitglieder von Culcha Candela wie Brüder kennt und 4 Jahre mit ihnen durch Deutschland getourt ist….GEIL^^

4. Ich habe die kulturele Seite von Medellin kennen gelernt: ich war mit Mauricio im Theater und mit drei Freunden im Kino (Hangover - selten so gelacht!).

So, das sollte reichen um euch die nächsten zwei Wochen zu beschäftigen, dann kommt langsam der nächste Bericht.

Bis dahin: Macht es gut und rocket Deutschland für mich!

Dienstag, 15. September 2009


große Anstreichakrion im RED

Fiesta en la Red Juvenil


Tamas Tanzkünste



ein paar meiner "Schützlinge" für den Abend


eistkalt die Straße gesperrt...is ja nich so wild, fahren ja nur ca 3 Buslinien durch und hunderte Autos...SO MUSS DAS SEIN!!




CARAMANTA

Caramanta, Carrusel, Cauca, Sport, mein erstes Mal und viel viel Farbe

Die Überschrift lässt es ja schon vermuten: ich habe (mal wieder) viel zu berichten! So ist das hier in Kolumbien, jeden Tag erlebe ich etwas neues und lerne viel dazu – da wünscht man sich manchmal (aber wirklich nur manchmal) das ruhige, beschauliche Leben im guten, alten, spießigen D’tschlaaand zurück! Also, jetzt verschwende ich mal keine Zeit mehr mit sinnlosem Einleitungsgefasel und fange einfach an euch meine Erlebnisse um die Ohren (bzw Augen) zu hauen – aufi geht‘s:

Am Freitag dem 04.09 ging es um gemütliche und angenehme 5:00 Uhr MORGENS los nach Caramanta. Caramanta ist ein kleines, ruhiges und wunderschönes Dorf ca. 3h Busfahrt von Medellin entfernt. Dort habe ich mit meiner Chefin (Paula) und Mauricio vom RED eine Partnerorganisation vom RED besucht. Ich habe wieder viele neue ( und mal wieder super nette) Leute kennen gelernt und habe erfahren, dass Deutschland, was soziale Arbeit in Kolumbien angeht relativ aktiv ist. Zum Beispiel kooperiert eine Organisation von Caramanta mit zwei deutschen Ministerien – da kann man doch ruhig stolz auf sein Land sein. Überhaupt sind hier alle sehr gut auf Deutschland zu sprechen. Jedenfalls die, die wissen, dass Hitler tot ist (nein, das wissen nicht alle!!!). Übernachtet haben wir drei in einem alten Haus das so gerochen hat, wie die Häuser in diesen Freilichtmuseen (die ich überhaupt nicht leiden kann).

Am Samstag ging es dann zurück zum RED, wo eine große Aktion für die Familienangehörigen vom RED stattfand. Ich hatte die Aufgabe mich um die kleineren Kinder (6-12Jahre) zu kümmern, und das hat auch echt super geklappt, auch wenn ich froh war kein Gruppenspiel selber anleiten zu müssen, denn einer kreischenden Kindermeute ist mein Spanisch leider noch nicht gewachsen. Die Erwachsenen wurden über die Aktionen vom RED informiert und spielten auch Gruppenspiele. Leider habe ich davon nichts mitbekommen. Später wurde dann mit allen zusammen BINGO gespielt und alle fieberten kräftig mit: Wenn eine Zahl genannt wurde, die man hatte wurde aufgesprungen und los geschrien vor Freude. Ich will gar nicht erst versuchen zu beschreiben was passierte, wenn jemand wirklich „Bingo“ (also alle Zahlen) hatte – aber es war amüsant!! Danach ging dann die Party (Fiesta) los und es wurde viel getanzt und auch ich habe mich auf die Tanzfläche gequetscht und das Tanzbein geschwungen. Auch wenn ich neben den leidenschaftlich tanzenden Kolumbianern wahrscheinlich aussah wie halt so ein verkrampfter Europäer beim Salsa tanzen aussieht – ehr bescheiden. Aber alle haben ganz artig gesagt, ich würde gut tanzen und schnell lernen…ja anscheinend haben die das mit der Ironie auch hier drauf! Um 5Uhr am nächsten morgen war ich dann auch endlich wieder in MEINER Wohnung (ja, ich bin immer noch sehr glücklich in meiner WG und finds richtig geil eine eigene Bude zu haben!).

Am Sonntag war ich mit Sandra im botanischen Garten von Medellin (Jardin botanico). Dort war eine Art riesiger Basar, wo einmal im Jahr sich sämtliche sozialen Organisationen zusammenkommen und ihre Stände aufbauen und Aktionen starten….es war sehr beeindruckend. Ich hatte quasi frei und bin mit Sandra nur über den Basar geschlendert - wunderbar!!

Am nächsten Montag habe ich dann endlich das gemacht, was ich die Zeit hier wirklich vermisst habe: SPORT!!! – es war höchste Zeit. Fast zwei Monate ohne Sport, das war zu viel für mich! Also haben Sandra und ich uns ganz sportlich angezogen und sind ins 10m entfernte Fitnessstudio gegangen. Ich war etwas skeptisch, weil ich überhaupt nicht wusste was mich erwartete. Aber ich wurde mehr als positiv überrascht, klar es ist klein und die Geräte sind mit nicht deutscher Standard, aber der Preis ist es auch nicht: 8€ pro Monat. Mein Trainer (Juan) ist super nett und sieht mich, glaub ich, als sein Projekt an, denn an mir kann er ja wirklich noch arbeiten! Dem entsprechend werde ich da richtig rangenommen und nach dem ersten Tag hatte ich 3Tage (!!) Muskelkater! Später am Tag war ich noch beim Frisör, da ich langsam aussah wie ein Buschmann! Und für überteuerte und unverschämte 1,20€ (diese Kolumbianer zocken einen schon ziemlich ab!!) bekam ich einen schicken Schnitt, mit dem ich auch wirklich zufrieden bin.

Vom Mittwoch auf Sonntag war ich mit dem RED im Cauca. Dort haben wir mit einer großen Gruppe (ca.70 Personen), die aus verschiedenen sozialen Organisationen bestand, uns mit den Indianern (Indigena) der Region beschäftig. Wir wurden in kleine Gruppen eingeteilt und in verschiedene Gebiet geschickt und per Bus ging es dann los. Aber nicht IM Bus. NEIN! AUF dem Bus saß ich und hielt nach Ästen oder Stromleitungen Ausschau, die gerne mal Tief über der Straße hingen. In Los Andes (das Gebiet, für das meine Gruppe eingeteilt worden war)angekommen, sind wir dann durch den (Ur-)Wald gestreift. Mit Machete und allem was dazugehört – HAMMER!! Diese abenteuerliche Wanderung war nötig, damit wir zu den Lehmhäusern der Indianer kamen, die oft weit auseinander lagen. Dort haben wir dann mit den Bewohnern gesprochen und ihnen viele Fragen gestellt, damit wir ein realistisches Bild über die Situation der Indianer bekommen konnten. Es war sehr interessant, da ich vorher noch kaum etwas über die Indianer in Kolumbien wusste.

Jetzt zu meinem „ersten Mal“ das ich in meiner Überschrift so reißerisch und zweideutig angekündigt habe. Damit komme ich erst jetzt an, damit ihr diesen überlangen Artikel auch zu Ende lest, denn eigentlich interessiert euch doch nur was ich damit meine, oder? Ich kenn doch meine Pappeneimer! Im Cauca wurde ich nämlich zum ersten Mal beklaut – mein Handy (oder vielmehr das vom Helmut – „Tschuldigung!“ an dieser Stelle!) ist weg. Ich hatte es in meinem Rucksack im Bus und als ich es später gesucht habe, war es weg und unauffindbar. Man muss hier nun einmal viel mehr auf seien Sachen aufpassen als in Deutschland. Auch eine wichtige Lektion die ich hier gelernt habe und noch verinnerlichen muss.

Gestern haben wir das gesamte RED neu gestrichen, laut Musik gehört und beim gemeinsamen arbeiten ein Bier getrunken. Es war super viel Arbeit und hat richtig Spaß gemacht! Und, es ist richtig schick geworden, auch wenn ich sagen muss, dass mir die Graffitis vorher besser gefallen haben. Aber ich wurde direkt beruhig und mir wurde versichert, dass bald neue Graffitis kommen würden.

So das wars auch schon („schon“ wo ist der Fehler?!). Ich werde mir jetzt etwas zu essen zaubern, denn meine Kochkünste wachsen mit jeden Tag!

Hasta Luego (das heißt „bis später“ – damit ich nicht der einzige bin, der hier war lernt)!

Mittwoch, 2. September 2009

Damit ihr nicht zu viel Fantasy braucht: BILDER


der typische Einheimische: Sombrero, Poncho und Aquardiente - also wenn ich mich mal nicht eingelebt habe ^^


Sandra im Plaza Minorista


Sandra und ich, die die Kochkünste von Alex (Sandras Freund) genießen


lächeln und winken, Männer!


Meine Mitbewohnerin SANDRA!!